Bei rot stehen, bei grün gehen

Muss man als Eltern seine Mitmenschen im Straßenverkehr auf deren Vorbildfunktion aufmerksam machen? Mias Papa Bernd hat sich dazu aus aktuellem Anlass mal Gedanken gemacht. Was meint ihr?

Heute an einer Kreuzung am Kölner „Gürtel“ ist jemand über rot gegangen. Da hab ich ihn angesehen und „gutes Vorbild“ zu ihm gesagt. Er nur: „Ja.“ Ist halt unbeteiligt, kennt Mia nicht. Scheinbar nicht sein Problem.
Ich find’s scheiße. Weil ich Vater in einer dicht besiedelten Innenstadt bin und der „Gürtel“ an dieser Stelle vier Fahrbahnen für Autos und zwei für die U-Bahn hat. Ich muss Mia auf ihrem fixen Laufrad zu jedem Zeitpunkt voll unter Kontrolle haben. Sie hat bei einigen Gelegenheiten bewiesen, wie schnell sie in falsche Richtungen und auf Fahrbahnen umschwenken kann. Mit entsprechendem Herzstillstand meinerseits.
Also erkläre ich ihr jedes Mal nochmal genau, dass man bei rot steht und bei grün geht. Obwohl Mia das scheinbar schon vor Monaten begriffen hat, sage ich es immer und immer wieder. Einfach um auf Nummer sicher zu gehen.
Da passt so einer, der diesem Mantra widerspricht, einfach nicht so gut. Vor allem ärgert es mich, dass er Mia und mich gesehen und ignoriert hat. Zwanzig Sekunden später hat die Ampel dann auch grün gezeigt, ein wahnsinniger Zeitgewinn.

Früher hätte ich nicht gedacht, dass ich den Zeigefinger hoch halte, mit strengem Blick. Ich habe irgendwie meine Eltern vor Augen, die mich darauf hinweisen, dass man die Dinge anders sieht sobald man Kinder hat. Ja, klar, logisch, stimmt.
Stimmt einfach wirklich, die hatten Recht. Ich denke es ist okay, das einzugestehen.

Zugegeben: Auch heute noch gehe ich mal über rot wenn ich es eilig habe. Aber ich schaue halt, ob kleine Kinder in der Nähe sind.
Man ist auch dann Vorbild, wenn man nicht verwandt oder bekannt ist mit dem Zwerg, der da gerade an der Ampel steht.

Illustration: Marco Ursin

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